Sechs Frauen, die das Schicksal russischer Museen beeinflusst haben

Getty Images
Hinter den großen Männern der russischen Kunst stehen heute jeweils charismatische und manchmal strenge Frauen, die die Kulturszene der Nation verändert haben. Russia Beyond stellt Ihnen die sechs einflussreichsten von ihnen vor.

Jahrhundertelang war die Ikonenmalerei die einzige hohe Kunstform in Russland. Aber Katharina die Große, die als deutsche Prinzessin geboren wurde, pflegte eine Vorliebe für die westliche Malerei. Während sie den Trend setzte und eine Leidenschaft für das Sammeln von Kunst hegte, haben Männer nach ihrer Herrschaft die Führung in diesem Bereich übernommen. Im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert hat sich diese Geschlechterverteilung jedoch erneut verändert.

1 Jekaterina Furzewa, Sowjetische Ministerin für Volksbildung (Kultur), 1960-1974

Furzewa war eine kontroverse Ministerin und eine Frau mit einem starken Charakter, der jedoch leider Inkompetenz nachgesagt wurde. Sie zensierte Theateraufführungen und Filme und verbot Konzerte berühmter ausländischer Bands wie The Beatles und The Rolling Stones. Jene Schriftsteller, Musiker und Künstler, die sie nicht billigte, wurden oft von allen offiziellen Veranstaltungen und Organisationen ausgeschlossen und manchmal sogar wegen antisowjetischer Aktivitäten strafrechtlich verfolgt.

Man muss jedoch bedenken, dass man in der Sowjetunion wohl kaum einen hochrangigen Beamten gefunden hätte, der künstlerische Freiheit ausnahmslos zugelassen hätte. Dennoch hat sie während ihrer 14 Jahre als Kulturministerin, besonders im Bereich der Museen, auf viele wichtige Aspekte Einfluss genommen.

Dank ihr wurden einige der größten Kunstwerke der Welt in führenden sowjetischen Museen ausgestellt, wie Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ und die Schätze des Grabes von Tutanchamun. Sie organisierte auch Ausstellungen von Dresdner Kunstgalerien und dem New Yorker Metropolitan Museum of Art, und sie kehrte mit einem Teil von Nicholas Roerichs Vermächtnis in die Sowjetunion zurück.

2 Irina Antonowa, Direktorin des Moskauer Puschkin-Museums, 1961-2013

Irina Antonowa (links)

Diese Frau ist in der Museumswelt international bekannt und eine lebende Legende. Nachdem sie 52 Jahre als Direktorin eines der wichtigsten Museen des Landes gearbeitet hat, ist sie nun mit einem Alter von 96 Jahren als Präsidentin des Museums tätig.

„Es war sehr leicht, irgendetwas zu verbieten“, erinnerte sie sich in einem Dokumentarfilm zum 100. Geburtstag des Museums. „Aber das Puschkin-Museum durfte Dinge tun, die sonst verboten waren“, wie zum Beispiel „weniger ehrwürdige“ impressionistische und post-impressionistische Künstler auszustellen.

„Die eiserne Dame der russischen Kunst“ erhielt die Erlaubnis, das Museum neu zu gestalten und Meisterwerke der westlichen Künstler wie Auguste Renoir und Paul Gauguin zu zeigen, die ursprünglich in den Sammlungen der zaristischen Kunstmäzen Sergei Schtschukin und Iwan Morosow untergebracht waren. Diese Gemälde wurden zuvor nicht ausgestellt, weil sie als „schädliche bürgerliche Kunst“ betrachtet wurden.

Sie arrangierte auch eine Ausstellung von Heinrich Schliemanns trojanischem Gold, das 1945 als Trophäenkunst aus Deutschland kam und bis 1996 heimlich im Museum aufbewahrt wurde.

>>>Die Schätze von Troja: Wie ein deutscher Sensationsfund nach Moskau kam

>>>Neue Ära für das Puschkin-Museum in Moskau

3 Olga Swiblowa, Direktorin und Gründerin des Moskauer Haus der Fotografie (jetzt Multimedia Art Museum)

Als Frau mit gutem Geschmack und Stil gründete Swiblowa das Haus der Fotografie, das im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Kunstzentrum wurde und heute als Multimedia Art Museum bekannt ist. Mit der größten Sammlung russischer Fotografie hat es dem russischen Publikum vielleicht die einzige Chance gegeben, viele großartige Fotografen, von Alexander Rodtschenko und Henri Cartier-Bresson bis zu Helmut Newton und Annie Leibovitz, zu sehen.

Scheinbar rund um die Uhr arbeitend, ist Swiblowa dafür bekannt, unglückliche Journalisten endlos vor ihrem Büro warten zu lassen, sich dann jedoch stundenlang mit ihnen zu unterhalten, manchmal sogar bis spät in die Nacht.

Swiblowa eröffnete auch die Rodtschenko Schule für Fotografie und Multimedia, die in diesem Bereich die angesehenste Bildungseinrichtung des Landes ist. Die Absolventen dieser Schule sind bekannt dafür, Karriere zu machen und regelmäßig internationale Auszeichnungen zu erhalten.

4 Selfira Tregulowa, Direktorin der Tretjakow-Galerie

Tregulowa wird manchmal als beste russische Kuratorin bezeichnet, weil russische Kunst durch ihre Bemühungen bereits auf der ganzen Welt ausgestellt wurde.

Obwohl sie eine ehemalige Kuratorin des Moskauer Kreml Museums ist, ist Tregulowa in der Tat eine Expertin der Avantgarde und Soz Art. Im Jahr 2015 wurde sie dann Leiterin des wichtigsten russischen Museums für nationale Kunst - der Tretjakow-Galerie. Eine ihrer obersten Prioritäten ist die Veränderung der Entwicklungsrichtung des Museums indem zeitgenössische Kunst aktiv unterstützt wird.

>>>Selfira Tregulowa: „Museen müssen besucherfreundlich sein“

5 Marina Loschak, Direktorin des Moskauer Puschkin-Museums

Nach einem halben Jahrhundert, in dem Antonowa das Museum leitete, muss es für Marina Loschak im Jahr 2013 eine große Herausforderung gewesen sein, in die Fußstapfen zu treten und die Leitung zu übernehmen. Als Expertin der Avantgarde hauchte sie dem Museum neues Leben ein und integrierte zeitgenössische Kunst mit antiken Statuen.

Unter ihrer Leitung haben in dem Puschkin-Museum bereits Ausstellungen von solch prominenten zeitgenössischen Künstlern wie dem belgischen Wim Delvoye und dem chinesischen Künstler Cai Guo-Qiang stattgefunden.

Im Jahr 2017 war sie die Leiterin des russischen Pavillons bei der Biennale di Venezia, und sie war die erste, die junge russische Künstler dorthin brachte.

>>>Puschkin-Museum-Direktorin Marina Loschak: „Man sollte das Unerwartete nicht fürchten!“

6 Jelena Gagarina, Direktorin des Moskauer Kreml Museums

Die Tochter von Juri Gagarin braucht keine Vorstellung. Seit 2001 ist Jelena Direktorin der wichtigsten Schätze des Landes - der Kreml-Museen. In diesem gewaltigen Komplex befinden sich Gegenstände aus dem 15. Jahrhundert bis hin zur heutigen Zeit: eine Sammlung von Staatsinsignien, Krönungstrachten, Diplomatengeschenke, Kutschen und vieles mehr.

In den letzten Jahren hat das Museum unter der Leitung von Gagarina begonnen, große ausländische Sammlungen zu begrüßen, die beispielsweise derzeit Schätze der chinesischen Ming-Dynastie zeigen.

Gagarina machte außerdem eine umfangreiche Bestandsaufnahme aller Sammlungen des Kremls und begann aktiv an Ausstellungen für Studenten und Schüler zu arbeiten. Auf der zweisprachigen Website der Museen spricht Gagarina mithilfe eines Videos direkt mit den Besuchern und bittet sie, nicht zu zögern das Museum zu kontaktieren und auch in Kontakt zu bleiben.

Bevor sie an das Kreml Museum kam, arbeitete sie als Kunstexpertin für Papierarbeiten am Puschkin-Museum.

>>>Jelena Gagarina: „Niemand kannte die Museen im Kreml“

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen