Tag im Grab oder Krieg gegen YouTube? Wie sich Russlands exzentrische Millionäre die Zeit vertreiben

Was kann sich ein reicher Mensch eigentlich alles erlauben? Eigentlich alles, meint man. Russis Beyond zeigt Ihnen, was dieses Alles ganzz konkret alles sein kann.

Pawel Durow und die fliegenden Geldscheine

Zur Person: Durow ist Gründer des im russischsprachigen Internet beliebtesten sozialen NetzwerksVkontakte und des neueren Messengers Telegram. 2014 verließ er allerdings Russland, Medienberichten zufolge hat er seinen Hauptwohnsitz nun in Finnland. Sein Vermögen wird auf rund 950 Millionen Dollar geschätzt.

Durow in seiner Heimatstadt Sankt Petersburg

Zur Aktion: Durow ärgert seine Kritiker und Konkurrenten gern durch provokative Aussagen und Gesten. Zum Stadtfest seiner Heimatstadt Sankt Petersburg 2012 zum Beispiel warfen er und sein Stellvertreter mehrere 5000-Rubel-Scheine (umgerechnet jeweils etwa 80 Euro) aus dem Fenster des VK-Büros im berühmten Singer-Haus auf dem Newskij-Prospekt. Die Passanten unten auf der Straße begannen sich, um die ihnen zufliegenden Scheine zu prügeln. Durow schaute aus dem Fenster und, so beschrieben es später Augenzeugen für russische Medien, lachte sich schlapp. Später twitterte er: „Meine Kollegen und ich haben uns entschieden, die festliche Atmosphäre in der Stadt durch eine kleine Aktion zu unterstützen. Leider mussten wir diese schnell abbrechen, weil die Leute wild wurden.“

Roman Abramowitsch und das teuerste Sushi der Welt

Zur Person:  Abramowitsch ist Begünstigter einer der größten russischen Metallverarbeitungsunternehmen „Evraz“ und Inhaber des Fußballclubs Chelsea. Sein Vermögen wird auf 9,1 Milliarden Dollar geschätzt.

Abramowitsch bei einer schicken Party

Zur Aktion: Abramowitsch speist gern gut. Und so hat er einmal die wohl teuerste Essensbestellung zu sich nach Hause getätigt: In Baku hat er sich extra Sushi aus dem renommierten Londoner Restaurant „Ubon“ liefern lassen. Das Essen selbst kostete 1200 Pfund. Abgeholt wurde es aber von einer Limousine, dann gelangte es mit einem Privatjet in das über 5000 Kilometer entfernte Aserbaidschan. Zusammen mit der Zustellung gab der Oligarch am Ende rund 40.000 Pfund für seinen leichten Imbiss aus.

Oleg Tinkow und sein Kampf den Bloggern

Zur Person: Oleg Tinkow ist Gründer der ersten und bislang einzigen russischen Online-Bank Tinkoff. Sein Vermögen wird aktuell auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt.

Tinkow 2015 auf Italien-Tour

Zur Aktion: Tinkow droht YouTube-Bloggern immer wieder mit Strafanzeigen wegen verleumdender Clips über seine Person. Für die Blogger gehe Tinkow „zweifelhaften Geschäften“ nach, behandle seine Mitarbeiter schlecht, beleidige sie und denke nicht an seine Kunden. Tinkow reagierte darauf mit einer Aktion in seinem Instagram-Profil: „Lösche Telegram und erhalte Geld!“. Damit will er wohl seine alten Konflikte mit Telegram-Gründer Durow lösen.

Dann aber „vergaß“ Tinkow, seine Bank über diese Aktion zu informieren: Und all die Follower, die, seinem Aufruf folgend, Telegram gelöscht hatten, sahen am Ende keine Kopejke. Kleinere Skandale verursacht er immer wieder Nacktbildern beim Baden oder übermäßig offenherzigen Äußerungen, die jedoch oft schnell wieder aus seinen Accounts verschwinden.

Sergej Polonskij und ein Tag als Toter

Zur Person: Polonskij ist Gründer der Mirax Group, die zu den Top-5 der größten russischen Baufirmen gehört. Sie baute das höchste Gebäude Europas, den Föderationsturm (347 Meter) in dem Businesscentrum Moscow City. 2008 wurde das Vermögen des Unternehmers auf 1,2 Milliarden geschätzt. 2011 wurde Mirax von ihren riesigen Bauschulden erdrückt. Polonskij floh vor den gegen ihn vorliegenden Betrugsvorwürfen. 2017 ist er zwar mittlerweile gefasst und wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, jedoch sofort wieder freigelassen, weil die gegen ihn vorliegenden Straftaten verjährt sind.

Polonskij wird von der Kambodschanischen Polizei aufgegriffen. 11. November 2013

Zur Aktion: Polonskij ist berühmt für seinen Ausspruch: „Wer keine Milliarde hat – der kann mich mal!“ (auch wenn er später angab, falsch interpretiert worden zu sein).

Sowohl seinen Hund als auch Sohn nannte er im Gedenken an die bankrottgegangene Firma, die ihn einst reich gemacht hatte, Mirax. Bei einem Wettstreit im Fernsehen aß er vor laufenden Kameras ein Stück seiner Krawatte, warf sich vor einen fahrenden Lastwagen und erklärte einen Hungerstreik gegen die ungerechten Rater, die ihm den Abschluss der Bauarbeiten vermiest hätten.

Offensichtlich aus reinem Interesse verbrachte er einmal einen Tag lang mit echten Leichen in einem Grab.

Als ein in Kambodscha festgenommen werden sollte, nahm er gar einen einheimischen Seemann als Geisel. Die übrige Bordcrew zwang er, ins Meer zu springen. Mit dem Kapitän schloss er sich in der Kajüte ein. Im Gefängnis in Kambodscha machte er dann später ein Lagerfeuer aus seinen Matrazen, Hemden und Büchern.

Ewgenij Tschitschwarkin und die Phallus-Imitationen

Zur Person: Tschitschwarkin war einst Co-Inhaber der Telekommunikationskette „Ewrosetj“. Seit 2008 ist er Weinbauer in Großbritannien.

Zur Aktion: Tschitschwarkin gilt als König des aggressiven Marketings. Beispielsweise verteilte er kostenlose Mobiltelefone – unter der Bedingung, dass die „Kunden“ in die Geschäftszentrale kamen und sich vor den Augen aller anderen Kunden völlig auszogen. Zu Silvester verschickte er Phallus-Imitate an seine Konkurrenten. 

Tschitschwarkin in Großbritannien

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